Informationen zur Energieauditpflicht


1  Gesetzliche Grundlage

Deutschland und die Europäische Union haben sich ehrgeizige Ziele zur Steigerung der Energieeffizienz gesetzt. Um einen Beitrag zur Erreichung des europäischen Energieeinsparziels zu leisten, wurde die Energieeffizienzrichtlinie 2012/27/EU erlassen, die am 04. Dezember 2012 in Kraft getreten ist.

Die Energieeffizienzrichtlinie sieht zahlreiche Maßnahmen vor, die von den Mitgliedstaaten umgesetzt werden müssen. Unter anderem regelt die Energieeffizienzrichtlinie für alle Mitgliedstaaten die Einführung einer Verpflichtung zur Durchführung eines Energieaudits für Unternehmen, die kein kleines und mittleres Unternehmen (KMU) sind.

Zur Umsetzung der EU-Energieeffizienzrichtlinie in nationales Recht wurde unter anderem eine Anpassung des Gesetzes über Energiedienstleistungen und andere Energieeffizienzmaßnahmen (EDL-G) vorgenommen.

Am 22. April 2015 sind die Änderungen des EDL-G in Kraft getreten. Die Umsetzung dieser Maßnahme gehört gleichzeitig zum Nationalen Aktionsplan Energieeffizienz (NAPE) und dient sowohl der Erreichung der nationalen wie der in der EU vereinbarten Energie- und Klimaschutzziele.

2  Adressaten der Energieauditpflicht

Verpflichtet sind alle „große Unternehmen“, unabhängig von Branche und Tätigkeitsbereich. Die Bestimmung, welche Unternehmen große Unternehmen sind, leitet sich aus der EU-Definition für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) ab. Demzufolge sind folgen Unternehmen große Unternehmen:

  • Unternehmen, die mehr als 250 Mitarbeiter haben oder einen Jahresumsatz von mehr als 50 Mio. EUR erzielen oder deren Jahresbilanzsumme sich auf mehr als 43 Mio. EUR beläuft.
  • Partnerunternehmen: Mit anderen Unternehmen verbundene Unternehmen, die gemeinsam die unter a) genannte Mitarbeiterzahl und Jahresumsatz bzw. Jahresbilanzsumme erzielen. Kriterium hierfür ist, dass die Unternehmen jeweils mindestens 25 % des Kapitals oder der Stimmrechte am jeweilig anderen Unternehmen halten.
  • Verbundene Unternehmen: Unternehmen, die eine Unternehmensgruppe bilden durch unmittelbare oder mittelbare Kontrolle der Mehrheit des Kapitals bzw. der Stimmrechte an einem Unternehmen und die unter a) genannte Mitarbeiterzahl und Jahresumsatz bzw. Jahresbilanzsummer erzielen.

Zu beachten ist, dass auch die Definition von „großen Unternehmen“ sehr weit gefasst ist. So werden auch Unternehmen in öffentlicher Hand oder gemeinnützige Organisationen als Unternehmen definiert.

Von der Auditverpflichtung ausgenommen sind Unternehmen, die

  • ein Energiemanagementsystem nach DIN EN ISO 50001 (Ausgabe Dezember 2011) eingerichtet haben,
  • ein Umweltmanagementsystem gemäß EMAS (Eco-Management and Audit Scheme) eingerichtet haben.
  • kommunale Regiebetriebe und Hoheitsbetriebe bzw. Einrichtungen mit überwiegend hoheitlichen Tätigkeiten sind.

Weitere Sonderregelungen und Informationen zu Ausnahmen bezüglich der Auditverpflichtung können dem  Merkblatt für Energieaudits nach den gesetzlichen Bestimmungen der §§ 8 ff. EDL-G entnommen werden.

3  Das Energieaudit

3.1  Definition

Gemäß der DIN EN 16247-1 ist ein Energieaudit eine systematische Inspektion und Analyse des Energieeinsatzes und des Energieverbrauchs einer Anlage, eines Gebäudes, eines Systems oder einer Organisation mit dem Ziel, Energieflüsse und das Potenzial für Energieeffizienzverbesserungen zu identifizieren und über diese zu berichten.

Zudem werden die verschiedenen Maßnahmen durch Investitions-/Wirtschaftlichkeitsberechnungen monetär bewertet, so dass Unternehmen im Ergebnis auf einen Blick erfassen können, welche Investitionen sich in welchem Zeitraum rechnen.

3.2  Vergleich Energieaudit und Energiemanagementsystem

Für Unternehmen, bei denen Energiekosten einen beträchtlichen Teil der Betriebskosten ausmachen und die daher in eine systematische und kontinuierliche Reduzierung der Energiekosten einsteigen wollen, empfiehlt es sich zu prüfen, ob die Einführung eines Energiemanagementsystems nach DIN EN ISO 50001 sinnvoll ist. Diese ist zwar deutlich aufwändiger und in jedem Fall mit Kosten für das Unternehmen verbunden - für die Zertifizierung und häufig auch für die Vorbereitung der Zertifizierung. Dafür ist sie aber tiefergehend: Während die DIN EN 16247-1 eine einmalige Bestandsaufnahme der energetischen Situation ist, besteht die DIN EN ISO 50001 ebenfalls aus einer gründlichen Analyse der energetischen Situation, vor allem aber schließt sich an die Bestandsaufnahme und die Durchführung erster Maßnahmen eine Überprüfung der Auswirkungen und eine Anpassung der Maßnahmen an. Zudem wird das Thema Energie und der Umgang damit systematisch und dauerhaft in allen relevanten Teilen des Unternehmens verankert.

3.3  Anforderungen an den Auditor

Der Auditor muss folgende Anforderungen erfüllen:

  • Einschlägige Ausbildung: Abschluss eines einschlägigen (Fach)Hochschulstudiums oder berufliche Qualifikation zum staatlich geprüften Techniker oder Meisterabschluss bzw. gleichwertiger Weiterbildungsabschluss.
  • Mindestens dreijährige hauptberufliche Tätigkeit, bei der praxisbezogene Kenntnisse über die betriebliche Energieberatung erworben wurden.

Welche Personen können ein Audit durchführen?

  • Das Audit kann von einer im Unternehmen beschäftigen Person durchgeführt werden. Voraussetzung: Sie ist nicht direkt an den zu auditierenden Tätigkeiten beteiligt, ist der Leitung des Unternehmens unmittelbar unterstellt und in der Funktion als Auditor weisungsfrei.
  • Für die Durchführung eines Energieaudits können Energieberater hinzugezogen werden, wobei es sich empfiehlt, vor Auftragserteilung noch einmal abzufragen, ob die oben genannten Anforderungen erfüllt werden. Eine Liste von Energieberatern ist zu finden unter  BAFA-Beraterliste.
  • Der Auditor muss das Unternehmen hersteller-, anbieter und vertriebsneutral beraten und darf keine Provision oder sonstige Vorteile erhalten

Auch wenn der Anstoß zur Durchführung eines Energieaudits möglicherweise aus der gesetzlichen Verpflichtung kommt, ist das primäre Ziel eines Energieaudits, Energieeinsparpotenziale zu identifizieren. Daher ist zu empfehlen, sich bei der Durchführung des Audits von einem Berater unterstützen zu lassen, der mit den branchenspezifischen Arten des Energieverbrauchs vertraut ist. Wenn also beispielsweise viel Energie für IT-Infrastruktur verbraucht wird, sollte man einen Berater auswählen, der in diesem Bereich Erfahrung hat.

Da eine große Nachfrage nach Beratern zur Unterstützung bei dem Audit absehbar ist, empfiehlt es sich zudem, sich frühzeitig nach einem Berater umzusehen. So können die Angebote verschiedener Berater verglichen werden und es kann – ohne Zeitdruck - der geeignete Berater ausgewählt werden.

3.4  Anforderungen an ein Audit

  • Das Audit muss unabhängig und neutral durchgeführt werden.
  • Es soll vom Aufwand her angemessen sein. Dies bedeutet unter anderem, dass für gängige Geräte, deren Verbrauch nur mit erheblichem Aufwand zu messen wäre, auf Grundlage der Betriebs- und Lastkennzahlen nachvollziehbare Hochrechnungen ermittelt werden können.
  • Es soll umfassend und repräsentativ sein. Dafür muss 90% des Energieverbrauchs eines Unternehmens erfasst werden. Es muss aber nicht jeder Standort untersucht werden.
  • Es soll transparent und nachvollziehbar sein, beispielsweise bei der Erfassung der Daten.

3.5  Inhalt und Ablauf eines Audits




mod.EEM führt durch das Energieaudit und unterstützt bei der Durchführung des beschriebenen Prozesses

  1. Einleitender Kontakt
    • Der Energieauditor legt mit dem Unternehmen die Rahmenbedingungen, Ziele, Erwartungen und Kriterien zur Messung der Energieeffizienzmaßnahmen fest
  2. Auftakt-Besprechung:
    • Erläuterung der zu liefernden Daten, Anforderungen an Messungen und Vorgehensweisen zur Installation der Messausrüstungen
    • Abstimmung über die konkrete Durchführung des Audits (Unternehmen benennt eine verantwortliche Person für die Begleitung des Audits)
  3. Daten-Erfassung:
    • Informationen und Daten erfassen die den Energieverbrauch beeinflussen (Energie verbrauchenden Systeme, Prozesse, Einrichtungen, Parameter)
    • Erfassung von vorherigen Untersuchungen im Unternehmen in Bezug auf Energie und Energieeffizienz sowie Energietarife, Konstruktions-, Betriebs- und Wartungsdokumente und relevante Wirtschaftsdaten
  4. Außeneinsatz:
    • Begehung des Objekts durch den Auditor, um Energieeinsatz zu evaluieren
    • Bereiche und Prozesse ermitteln, wo zusätzliche Daten benötigt werden
    • Untersuchung von Arbeitsabläufen und Nutzerverhalten (Welcher Einfluss auf Energieverbrauch und Effizienz?) --> Basis für erste Verbesserungsvorschläge
    • Validierung der Messungen auf reale Bedingungen und Verlässlichkeit
  5. Analyse:
    • Energieauditor stellt die bestehende Situation der energiebezogenen Leistung fest
    • Aufschlüsselung des Energieverbrauchs auf Verbrauchs- und Versorgungsseite
    • Ansätze zur Verbesserung der Energieeffizienz bestimmen (Bewertung nach festgelegten Kriterien)
    • Aufzeigen der Zuverlässigkeit von Daten, Annahmen und angewandten Berechnungsmethoden
  6. Bericht:
    • Der Bericht des Energieauditors muss transparent, schlüssig und nachvollziehbar sein. Er enthält eine Zusammenfassung, allgemeine Informationen zum Hintergrund, die Dokumentation der Energieberatung und eine Liste der Möglichkeiten zur Verbesserung der Energieeffizienz mit:
      1. Empfehlungen und Plänen zur Umsetzung
      2. Annahmen, die für die Berechnung der Einsparungen verwendet wurden
      3. Informationen über anwendbare Zuschüsse und Beihilfen
      4. geeigneter Wirtschaftlichkeitsanalyse
      5. Vorschlägen für Mess- und Nachweisverfahren für eine Abschätzung der Einsparung nach der Umsetzung der empfohlenen Maßnahmen
      6. möglichen Wechselwirkungen mit anderen vorgeschlagenen Empfehlungen
      7. Schlussfolgerungen
  7. Abschlussbesprechung
    • Energieauditor präsentiert Ergebnisse, erklärt diese und übergibt den Bericht

4  Audit bei mehreren Standorten

Wenn ein Unternehmen mehrere Standorte besitzt, kommt das sog. Multi-Site-Verfahren zur Anwendung. Dafür werden Standort-Cluster mit einer repräsentativen Anzahl an Teilnehmern gebildet. Bei der Clusterbildung muss eine Gleichartigkeit und Ähnlichkeit der Prozesse, Tätigkeiten, Methoden und Verfahren gegeben sein.

Mögliche Kriterien zur Bildung von Clustern sind z.B.

  • Art der Tätigkeiten bzw. Hierarchiestufen (Verwaltungsgebäude, Filialen, etc.)
  • Energieverbrauchsprofile
  • Größe und Mitarbeiterzahl der Standorte
  • Baujahr der Liegenschaften

Die an den untersuchten Standorten gewonnenen Erkenntnisse und mögliche Energieeffizienzmaßnahmenvorschläge müssen auf die nicht untersuchten Standorte übertragbar sein. Das Multi-Site-Verfahren kann auf Partner- und/oder verbundene Unternehmen übertragen werden, wobei die Vergleichbarkeit der Standorte gegeben sein muss.

5  Nicht-Durchführung eines Audits

Was passiert, wenn man das Audit nicht macht?

  • Kommt ein Unternehmen den neuen gesetzlichen Vorgaben nicht, nicht richtig, nicht vollständig oder nicht rechtzeitig nach, drohen Bußgelder in Höhe von bis zu 50.000 Euro
  • Unterlassen der Durchführung eines Audits bis zum vorgesehenen Zeitpunkt entbindet nicht von der gesetzlichen Verpflichtung zur Durchführung
  • Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) wird als Überwachungsbehörde während der vierjährigen Periode etwa 20% der betroffenen Unternehmen überprüfen
  • Es besteht keine Pflicht für ein Unternehmen die Einführung eines Energieaudits proaktiv zu melden. Der Nachweis erfolgt einzig auf Nachfrage des BAFA

6  Links

Energieaudit

 Merkblatt für Energieaudits nach den gesetzlichen Bestimmungen der §§ 8 ff. EDL-G
 Gesetz über Energiedienstleistungen und andere Energieeffizienzmaßnahmen
 BAFA-Beraterliste
 EA NRW - Energieaudit gemäß DIN EN 16247-1
 Energieaudit-Information der Initiative Energieeffizienz

Förderprogramme zur Umsetzung von Energieeffizienzmaßnahmen

 BAFA Förderprogramm: Energieeffiziente Querschnittstechnologien
 BAFA Förderprogramm: Gewerbliche Kälte- und Wärmemaschinen
 KfW-Energieeffizienzprogramm (nicht länger erreichbar)

Werkzeuge

 Online-Werkzeug zur Erstellung von Auditberichten nach DIN EN 16247-1 (kommerzielles Angebot)

[Autor: Berliner Energieagentur GmbH]